Begleiter auf dem letzen Weg

31.03.2018

Hiltensweiler - Vertreter des Hospizvereins Tettnang haben in der Karwoche im Dorfladen und Dorftreff (D&D) Hiltensweiler über ihre Arbeit informiert. Die Resonanz war überwältigend. Stefan Wortmann, einer der geschäftsführenden Gesellschafter, begrüßte den Referenten und Vorsitzenden des Hospizvereins Professor Dr. Hubert Jocham und freute sich über das große Interesse an einem Thema, das gerne verdrängt wird - der Begleitung sterbender Menschen.

Den Anstoß zu diesem Abend habe das Kunstprojekt „Bevor ich sterbe, möchte ich …“ gegeben, welches vom Hospizverein Tettnang in die Region geholt und zuletzt auf dem Tettnanger Städtlesmarkt präsent war. Die Aktion sei bis jetzt erfolgreich gewesen, man habe Aufmerksamkeit erregt, viele Menschen hätten schon teilgenommen und auf den schwarzen Tafeln den Satz mit einem persönlichen Wunsch zu Ende geschrieben, so Jocham.

„Nicht der Tod, sondern das Sterben ist schrecklich“ schrieb Henry Fielding im Jahr 1751. Angst vor einem langen Leiden und vor Schmerzen hat jeder. Wenn wir jedoch begreifen, dass das Sterben, ebenso wie die Geburt, ein wichtiger Abschnitt des Lebens ist, kann es durchaus auch friedlich geschehen, so Hubert Jocham. Deshalb sei es wichtig, die Kernbedürfnisse sterbender Menschen zu achten und sie auf ihrem letzten Weg nicht allein zu lassen. Lady Cicely Saunders (1918 bis 2005), Ärztin, Krankenschwester und Sozialarbeiterin aus England, habe früh die Notwendigkeit erkannt, todkranke Menschen nicht in abgelegenen Räumen von Krankenhäusern sterben zu lassen, sondern ihnen an einem geborgenen Ort menschenwürdige und umfassende Begleitung zu geben. So entstand die moderne Hospizidee.

Der Hospizverein Tettnang ist ein ambulantes Hospiz, das heißt, die Hospizhelfer begleiten die Todkranken dort, wo sie leben – sei es im Pflegeheim oder in der Familie. Dem Sterbenden soll ein möglichst würdevolles und selbstbestimmtes Leben bis zum Ende ermöglicht werden. Auch für die Angehörigen seien die Hospizhelfer in dieser Ausnahmesituation eine große Unterstützung, so Jocham. Die Betreuung ist kostenlos. Die ehrenamtlichen Hospizhelfer werden in Vorbereitungskursen intensiv geschult und sind optimal qualifiziert für den Umgang mit Sterbenden. Die Stadt Tettnang, die katholischen Kirchengemeinden des Stadtgebiets und die evangelische Martin-Luther-Gemeinde sind Träger des Vereins. Der Hospizdienst wird deshalb allen Bürgern dieses Gebietes angeboten – unabhängig von Religion, Konfession oder Nationalität.

Was passiert, wenn man stirbt

Nach Hubert Jocham ergriff die neue Koordinatorin Antje Claßen das Wort. Claßen hat Ende 2017 die Nachfolge von Konrad Fluhr angetreten. Sie stammt aus Flensburg und war im Schwerstbehindertenbereich, in der Sterbebegleitung und in der Psychiatrie tätig. Claßen sprach darüber, was mit einem Menschen passiert, wenn er stirbt. Was ist zu tun, wie kann man seine Situation erleichtern? Wenn der Hospizverein zu einem Sterbefall gerufen wird, können die Angehörigen ihre Wünsche hinsichtlich der Bedürfnisse des Sterbenden zum Ausdruck bringen und man werde darauf eingehen. Es sei deshalb eine große Vielfalt an Ehrenamtlichen notwendig, da jeder Mensch im Leben und im Sterben unterschiedlich sei. Manchmal würde nur eine Nachtwache am Bett gewünscht, damit die Angehörigen einmal durchschlafen können.

Helmut Strnad, Kriminalhauptkommissar im Ruhestand, findet die Atmosphäre in der Nacht am Bett eines Sterbenden zu sitzen, besonders feierlich und berührend. Er habe sich immer vorgenommen, im Ruhestand etwas Derartiges zu machen und es seien für ihn sehr gute Erfahrungen.

Zum Abschluss war eine der wesentlichen Fragen der Zuhörer: „Wie gehen die Ehrenamtlichen mit der Belastung um?“ Claßen: „Da die Sterbebegleitung für die Hospizhelfer eine große Kraftanstrengung bedeutet und ihnen teilweise sehr nahe geht, gibt es regelmäßigen Austausch in der Gruppe. Auch hat jeder die Möglichkeit, eine Auszeit zu nehmen. Wenn ein Einsatz zu lange dauert, werden Mitarbeiter ausgetauscht.“

 

Bild zur Meldung: Quelle: SZ