Wechsel beim Hospizverein Tettnang

12.12.2017

Tettnang sz Wenn ein Mensch erfährt, dass er sterben wird, ist das ein Schock. Für ihn selbst, für Angehörige, für Freunde. Menschen in dieser Situation können auf den Hospizverein Tettnang zukommen, der Sterbende und ihre Familien begleitet. Viele verbinden mit dem Verein den Namen Konrad Fluhr. Dieser ist seit Anfang Dezember in Rente. Die neue Koordinatorin ist seit Novemberbeginn Antje Claßen.

 

Vor allem die Zeit macht den Unterschied: Davon bringen die Begleiter sehr viel mit in die Haushalte, mehr als andere haben. Und das schon seit Mitte der 1990er Jahre. Da gab es den Verein noch nicht. Stattdessen wirkte eine ökumenische Gruppe unter dem Dach der evangelischen Kirche, getragen vom Landratsamt, der Stiftung Liebenau und den Gemeinden. Ehrenamtliche, geleitet von Ehrenamtlichen. Den Verein selbst gibt es seit dem Jahr 2010. Betroffene müssen kein Mitglied werden, für sie ist die Arbeit der Helfer unentgeltlich.

 

Der ökumenische Gedanke lebt im Verein fort, beteiligt sind neben anderen Akteuren wie etwa der Stadt Tettnang immer noch Vertreter der Gallusgemeinde und der Gesamtkirchengemeinde Argental sowie der Martin-Luther-Gemeinde. Eine Sonderrolle spielen die Koordinatoren als Angestellte des Vereins mit vielfältigen Aufgaben. Die Leitung der Einsätze der ehrenamtlichen Helfer ist nur die Spitze des Eisbergs.

 

Vielfalt an Aufgaben

 

Sie gewinnen Ehrenamtliche, organisieren deren aufwändige Qualifizierung und stehen ihnen als Ansprechpartner zur Verfügung. Sie führen das Erstgespräch mit Betroffenen, Angehörigen oder Betreuern und vermitteln die passenden Helfer für den Haushalt. Sie kümmern sich um die Dokumentation, holen Einwilligungen ein, besuchen Schulen und Vereine und vernetzen sich mit anderen Hospizvereinen, aber auch mit Ärzten, Pflegediensten, Palliativdiensten, Seelsorgern und anderen begleitenden Diensten. Wichtig sei die Kooperation zwischen den Vereinen, sagen Claßen und Fluhr, Konkurrenz gebe es nicht. So seien auch die Gebiete klar geregelt: Der Hospizverein Tettnang deckt neben der Stadt auch noch Neukirch ab.

 

Bei den Ehrenamtlichen braucht der Verein eine große Vielfalt, sagt Claßen: „Schließlich sind die Menschen, die wir betreuen, auch sehr unterschiedlich. Jeder Mensch stirbt seinen eigenen Tod.“ Da müsse alles passen. Deswegen sei auch das Netzwerk so wichtig. Eine Erfahrung, die Claßen schon vielerorts gemacht hat. Zuletzt war sie sieben Jahre lang Vorsitzende der Hospizbewegung Weingarten, Baienfurt, Baindt und Berg. Die gelernte Krankenpflegehelferin hat in früheren Jahren im Schwerstbehindertenbereich bei den von Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel in Bielefeld gearbeitet und sei auch dort immer wieder mit dem Thema Sterben konfrontiert gewesen. „Das wollte ich schon immer machen“, sagt sie zu ihrer Tätigkeit im Hospizbereich. Und wünscht sich eine Veränderung der Trauerkultur, einen anderen Umgang mit Sterben, neue Formen für Trauer und Abschied. „Hier hat sich durch die Hospizbewegung in den letzten 30 Jahren sehr viel verändert.“

 

Auch Konrad Fluhr wird die Aufgabe nicht loslassen. Er wird als Ehrenamtlicher beim Trauercafé sowie in der Hospizarbeit in Kressbronn und Langenargen weiter tätig sein.

 

Mehr Informationen zum Hospizverein gibt es im Internet unter hospizverein-tettnang.de

 

Bild zur Meldung: Konrad Fluhr hat den Hospizverein lange begleitet. Er geht in Rente. Antje Claßen folgt ihm als Koordinatorin nach. Foto:Mark Hildebrandt