Adventsfeier

12.12.2017

TETTNANG (gp) -„Ohne Sie hätte es den Hospizdienst an den Sterbenden in Tettnang nicht gegeben, mit Sicherheit nicht bereits vor 23 Jahren“, stellte Hubert Jocham, der Vorsitzende des Hospizvereins, fest. Er meinte Ruth Mendler, die sich aus Altergründen aus dem aktiven Hospizdienst zurückzieht. Jocham äußerte seinen hohen Respekt vor dem Gespür Mendlers für das, was bereits damals gesellschaftlich nottat, und für die beispiellose Leistung als richtig Erkanntes ideenreich und hartnäckig durchzusetzen. All das Geleistete aufzuzählen, müsse scheitern, weshalb er sich eigentlich nur dankbar vor ihr geradezu als einer Institution verneigen könne. Schmunzelnd fügte er den Dank für den legendären „Kartoffelsalat à la RM“ hinzu, der den Hospizlern bei so vielen Hocks mundete, was diese mit tosendem Beifall bedachten.

Diese Laudatio war bei der Adventsfeier des Hospizvereins für die ehrenamtlich tätigen Sterbegleiterinnen und Sterbebegleiter zu hören. Jocham bezeichnete diese dankbar als „die allerwichtigsten Menschen des ganzen Vereins“. Über 50 von ihnen, „Pensionäre“ und Vorstandsmitglieder mitgezählt, hatten sich im Chorraum des Gallus-Gemeindezentrum versammelt, den Irmgard Schickel, Gretel Jäger, Anita Höfele und Karin Kathan wunderbar adventlich geschmückt hatten und der schon bald von Bianka Moschs alkoholfreien Punsch herrlich duftete. Gewissermaßen den Hauptgang hatte Antje Claßen, die neue Koordinatorin der Hospizdiensteinsätze, lecker zubereitet , eine goldgelbe Kürbiscremesuppe, die „durchaus Tradition werden könnte“, wie deutlich zu hören war. Gern ließ man sich Adventsbrötle und mit Butter bestrichenes Birnenbrot schmecken. Zwischen der Unterhaltung lauschte man gespannt den beiden Kurzgeschichten, die bestens zu dem Abend passten, tiefgründig beide. Die heitere, von Antje Claßen vorgetragen, handelte von dem kleinen Tim, der mit der ihm zugedachten Rolle des abweisenden Wirts im Krippenspiel kämpft. Die besinnliche, gelesen von Bianka Mosch, handelte von der 19-jährigen Katrin, die gerade durch die Pflege ihrer sterbenskranken Oma Ermunterung und Kraft für ihr junges Leben gewann.

Neben Ruth Mendler wurden auch Gertrud Rottmar und Walburga Schwarzkopf verabschiedet, die ihre 2011 bzw. 2014 begonnene ehrenamtliche Tätigkeit nun in ihrem Heimatort Kressbronn fortsetzen wollen. Höhepunkt des Abends war die Verabschiedung von Konrad Fluhr. Seine Würdigung und den Dank zu formulieren, übernahm Irmgard Schickel, die stellvertretende Vorsitzende des Vereins. „Ein Urgestein des Hospizdienstes, seit der ersten Stunde Ansprechpartner und Begleiter, Ausbilder und Ratgeber der Ehrenamtlichen, 16 Jahre total ehrenamtlich tätig, erst seit 2010 vom Verein angestellter Koordinator, stets erreichbar, das Persönliche und Familiäre immer hintan stellend“, so skizzierte Schickel den Ausscheidenden. „Hospizarbeit in Tettnang ohne Konrad Fluhr – das könne man sich überhaupt nicht vorstellen!“ Für die Zeit des Ruhestandes bezog Schickel treffende Bilder aus Herrmann Hesses Gedicht „Stufen“. Sehr bewegend dann die Worte des Geehrten selbst. In Rente gehen, Arbeit und Verantwortung abgeben, tue er gerne, sei kein größeres Problem – aus der Hospizgruppe auszuscheiden, aus einer nicht nur dienstlich, sondern auch persönlich zusammengewachsenen und tief verbundenen Gemeinschaft herauszugehen, sei für ihn „ein emotionaler Kraftakt“. Er dankte den Ehrenamtlichen und dem Vorstand des Hospizvereins, „allen, die an irgendeiner Stelle tätig sind, wo es buchstäblich um Leben und Tod geht, für ihren Dienst“ und formulierte als sein Vermächtnis den Wunsch, dass die Hospizbewegung als Ganze eine Bewegung bleiben möge und nicht zu einer nur Dienstleistung werde. Dem, der sich 23 Jahre im Abschiednehmen geübt hat, fiel sein eigener Abschied vom Dienst sichtlich schwer. Die Anwesenden spürten, dass man Konrad Fluhr nur stehend angemessen danken kann.

 

Bild zur Meldung: Flankiert von den beiden Vereinsvorsitzenden Hubert Jocham und Irmgard Schickel die Verabschiedeten (von links): Walburga Schwarzkopf, Gertrud Rottmar, Irmgard Mendler, Konrad Fluhr; Foto: G. Peternek