Ein Tabuthema - zum Nachdenken und Schmunzeln

07.04.2016

Ausstellung in der Volksbank zeigt bis 27. April Karikaturen zu Sterben, Tod und Trauer

 

Tettnang sz Sterben, Tod und Trauer – gewiss kein gewöhnliches Thema für eine Karikaturenausstellung, vielleicht sogar ein Tabuthema. Dessen ist sich der Tettnanger Hospizverein bewusst, der die Wanderausstellung mit dem Titel „Sie hat mir der Himmel geschickt“ nach Tettnang geholt hat. Doch genau mit diesem humorvollen und teils satirischen und provokativen Umgang durch Karikaturen und Cartoons soll die Thematik wieder mehr in den Alltag geholt und eventuell das eine oder andere Gespräch angeregt werden.
Insgesamt 85 Werke von 45 internationalen Künstlern umfasst die Ausstellung im Foyer der Tettnanger Volksbank, die dort bis zum 27. April während der regulären Öffnungszeiten zu bestaunen ist.

 

Mit einer Vernissage wurde die Ausstellung, die eine Leihgabe der Hospizakademie Bamberg ist, am Dienstagabend feierlich eröffnet. Passende musikalische Klänge gab es vom U.Q.Lele Orchestra der Musikschule Tettnang, das unter der Leitung von Regine Hoch-Shekov mit seinen Ukulelen Marion Barthle an der Panflöte zu Liedern wie „Over the Rainbow“ oder „El Condor Pasa“ begleitete.

 

„Sterben, Tod und Trauer sind bei uns nur schwer öffentlich zur Sprache zu bringen und natürlich eignet sich das nicht für den Small Talk oder die Abendunterhaltung, obwohl man an einem Fernsehabend schon mal auf fünf Krimitote kommen kann“, sagte Günther Peternek vom Hospizverein in seiner Einführung. Wie offen darf man mit dem Thema umgehen, und verträgt es überhaupt Humor, lautete deshalb die zentrale Frage. In ihrer Arbeit sind die Mitglieder des Hospizvereins täglich mit dem Thema Tod und Sterben konfrontiert. Und sie kamen zu dem Schluss, dass eine Karikaturenausstellung durchaus interessante Denkanstöße geben kann. „Vielen Dank, dass Sie diese sehr wichtige und zutiefst menschliche Arbeit verrichten“, sagte Jürgen Strohmaier, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Volksbank Tettnang, an die Mitglieder des Hospizvereins gewandt. „Der Tod, Trauer und das Sterben sind große Themen und ich fragte mich, darf man darüber lachen?“, gab er in seiner Ansprache zu bedenken. Doch machten die Zeichner sich im Grunde genommen nicht über die Sterbenden selbst lustig, sondern nähmen vielmehr die Art und Weise unter die Lupe, wie wir mit dem Thema umgehen. „Sterben, Tod und Trauer reizten schon immer zu einer humorigen Bearbeitung“, stellte Günther Peternek fest. Und so seien es vielmehr „die Ausweichstrategien der Lebenden“, über die sich die Karikaturen lustig machten. „Sie zeigen ganz viele Facetten und nehmen die Ängste des Menschen vor dem Tod aufs Korn“, sagte er.

 

Grabstein mit QR-Code

 

Zum Schmunzeln anregen dürfte so auch die Art und Weise, wie der Umgang mit dem Tod im digitalen Zeitalter dargestellt wird. So beispielsweise in einer Karikatur von Erik Liebermann, auf der ein Grabstein unter einem simplen „Hier ruht“ nur noch einen QR-Code zeigt, den ein Friedhofbesucher mithilfe seines Smartphones zu entschlüsseln versucht. Auch die Aussage eines Pfarrers, der auf dem besucherleeren Friedhof bei einem Begräbnis über den Verstorbenen zu berichten weiß „Im Facebook soll er viele Freunde gehabt haben“, ist provokativ und humorvoll zugleich. „Sie brechen Tabus auf und machen öffentlich, was verschwiegen werden soll“, fasste Günther Peternek seinen Eindruck von den ausgestellten Werken zusammen. Dennoch scheint seiner Meinung nach in fast allen Karikaturen auch eine hoffnungsvolle Sicht von Sterben und Tod durch, spreche doch beispielsweise aus der Karikatur, die einen Jungen zeigt, der seinem im Sterben liegenden Großvater einen Brief für seine bereits verstorbene Oma mitgeben möchte, ein tiefer Trost

 

Bild zur Meldung: Hospiz Forum Bamberg

Fotoserien


Ausstellungseröffnung/Vernissage (08.04.2016)