Damit niemand mit seiner Trauer allein sein muss

23.03.2016

Tettnang gp/ab Es soll ein Ort sein, an dem trauernde Menschen nicht alleine sind, wo sie sich mitteilen und austauschen und anderen Trauernden zuhören können: Eine Stütze in schweren Zeiten will das neue Trauercafé sein, das der Hospizverein Tettnang einrichtet. Erstes Treffen ist am Sonntag, 17. April.

 

Willkommen sind in der geschützten Atmosphäre alle trauernde Menschen – unabhängig davon, wie lange der Verlust zurückliegt und unabhängig von Konfession oder Nationalität. Alle, die mit ihren Fragen, Gefühlen und dem Bedürfnis, die eigenen vier Wände einmal wieder zu verlassen, um mit jemanden zu reden, eine Anlaufstelle suchen. Eingeladen sind auch jene, die das Trauercafé nutzen wollen, um mit anderen zusammen zu sein, um anderen Betroffenen zuzuhören und gemeinsam mit ihnen Kaffee zu trinken und Kuchen zu essen.

 

Beim Aufenthalt im Café müsse niemand das Gefühl haben, anderen mit seiner Trauer und seinen Problemen zu nerven, sagt Günther Peternek, Sprecher des Hospizvereins. Schließlich treffen sich dort Menschen, die allesamt das gleiche Schicksal zu bewältigen haben, denen es ähnlich ergeht und die sich Hilfe holen wollen, um im Leben wieder Tritt zu fassen.

 

Gretel Jäger, Elfriede Nerz, Lotte Trinkler und Irmgard Schickel werden das neue Angebot im Auftrag des Hospizvereins begleiten. Sie wurden für diese Aufgabe eigens ausgebildet, gehören zu den 25 Sterbegleitern des Vereins und haben in ihrem persönlichen Umfeld selbst zeitnah Erfahrungen mit dem Tod und der Trauer gemacht.

 

„Trauernde erleben, dass mit dem Begräbnis noch nicht alles vorbei ist“, sagt Günther Peternek. „Was der Tod eines geliebten Menschen bedeutet, wird erst nach und nach bewusst. Diese Einsicht und Erfahrung wahr- und anzunehmen, fällt schwer. Da kann es hilfreich sein, wenn man den Weg durch die Trauer nicht allein gehen muss. Deshalb lautet das Motto des Cafés: ,...damit Sie mit Ihrer Trauer nicht alleine sind!’.“

 

 

Viele Menschen verbinden mit dem Hospizverein zunächst nur das Sterben beziehungsweise die Begleitung eines sterbenden Menschen. Die Erfahrungen zeigten jedoch, dass die Situationen der Hinterbliebenen nach dem Tod meist gleich viel Aufmerksamkeit, Zeit und Raum benötige, sagt Peternek. Viele seien nach dem Tod eines Nahestehenden, zum Beispiel des Partners, alleine und einsam. Die Kinder wohnen oftmals weit weg oder haben keine keine Zeit, da sie beruflich und familiär stark beansprucht sind. Hinzu komme, dass sich Nachbarn und Freunde manchmal nicht wagten, auf Trauernde zuzugehen oder sie selbst hilflos und überfordert mit der Situation seien. Das Bedürfnis der Trauernden, über ihre Gefühle zu reden, sei jedoch vorhanden und nehme oft noch zu, weiß Günther Peternek.

 

Keine Anmeldung erforderlich

 

In dieser Situation will das Trauercafé, in dem die Schweigepflicht selbstverständlich ist, Betroffenen helfen. Die Teilnahme ist kostenlos und kann regelmäßig oder bei Bedarf in Anspruch genommen werden. Auch schnuppern ist möglich. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

 

 

Die Idee, für Traunde eine Art Begleitung oder einen Ort der Kommunikation zu schaffen, ist parallel zu den Planungen des Hospizvereins übrigens auch aus der Bürgerschaft an Melanie Friedrich, die Beauftragte für bürgerschaftliches Engagement, herangetragen worden. Friedrich will nun zunächst abwarten, wie sich das neue Angebot des Hospizvereins entwickelt und dann weitersehen.

 

Das erste Trauercafé in Tettnang findet am Sonntag, 17. April, von 14.30 bis 16.30 im Obergeschoss des Kaplaneihauses, St. Johann, statt. Wer vorab Fragen hat, kann sich telefonisch an eine der Begleiterinnen des Cafés wenden: Gretel Jäger (07542 / 88 95), Elfriede Nerz (07528 / 23 07), Lotte Trinkler (07528 / 22 05), Irmgard Schickel (07542 / 7557).

 

 

 

Bild zur Meldung: Damit Menschen mit ihrer Trauer nicht alleine sein müssen, richtet der Hospizverein Tettnang ein Trauercafé ein. (Foto: colourbox)