„Zuhören, annehmen, verstehen und sich selbst zurücknehmen“ – eine tolle Erfahrung

19.01.2016

Sieben frisch ausgebildete Mitarbeiterinnen wurden in den Hospizdienst aufgenommen.

Tettnang (gp) – Ein gutes halbes Jahr dauerte der Kurs zur Übernahme des Hospizdienstes, den der Hospizverein Tettnang für sein Einzugsgebiet aber auch für Kressbronn und Langenargen organisiert und angeboten hatte. Den sieben Teilnehmerinnen aus dem Bereich Tettnang überreichte Koordinator und Ausbilder Konrad Fluhr ihre Ausbildungsbescheinigungen. Entsprechend den Richtlinien des Sozialgesetzbuches haben sie 70 Unterrichtseinheiten und 28 Praxisstunden erfolgreich absolviert und einige haben sogar schon ihre ersten eigenverantwortlichen Einsätze bei Sterbenden „bestanden“. Denn die Tätigkeit, einen anderen Menschen in der letzten Phase des Lebens zu begleiten ist vieldimensional, anspruchsvoll, aber auch sehr befriedigend.

Einsätze am Sterbebett seien ihr als ausgebildete Krankenschwester zwar nicht unbekannt, sagt Bianka Mosch, eine der Kursabsolventinnen und auch stellvertretende Koordinatorin, aber „da jeder Sterbende andere Bedürfnisse vorweist, ist man jeweils neu und anders gefordert, ihm mit Respekt und ohne Urteil zu begegnen“. Deshalb bestehen wesentliche Teile der Kursinhalte aus Schulung und Übungen in Selbsterfahrung und Selbstreflexion, in Wahrnehmung und achtsamer Kommunikation. „Dieses Zuhören und Annehmen, Verstehen und sich selbst Zurücknehmen“ sind für Alexandra Laur „eine tolle Erfahrung, aber auch schwierig, ohne einen Rat zu geben“, weil wir das ja sonst im Leben so gewohnt sind. Natürlich vermittelt der Kurs auch objektivierbares Wissen über Krankheitsbilder, Schmerztherapien und über Phasen, welche Sterbende durchmachen, und bewährte Rituale, die hilfreich sein können. So vorbereitet, sieht Bettina Klemm, ihrem ersten Einsatz „gespannt und auch etwas aufgeregt entgegen“ und wünscht sich, stets „ein gutes Gespür zu bekommen für das, was für den kranken Menschen wirklich wichtig ist“. Einhellig waren die Kursteilnehmerinnen der Ansicht, dass sie im Kurs mindestens gleich viel über sich selbst erfahren haben, so dass dieser schon vor dem ersten Einsatz ein persönlicher Gewinn gewesen sei.

Der Hospizverein Tettnang freut sich, durch die sieben neuen Mitarbeiterinnen sein personell stattliches Angebot gut ausgebildeter und einsatzbereiter Sterbebegleiterinnen und –begleiter aufstocken zu können. Denn nur so kann er sein Versprechen einlösen, dass niemand im Gebiet der Stadt Tettnang und der Gemeinde Neukirch die letzte Wegstrecke seines Lebens unbegleitet gehen muss.

Wichtige Informationen: Wer Begleitung für einen schwerstkranken, vielleicht sterbenden Angehörigen oder Bekannten sucht, kann beim Koordinator Konrad Fluhr unter 0160 6481999 anrufen. Wer die Arbeit des Vereins mit seiner Mitgliedschaft unterstützen möchte, melde sich bei Reinhold Seibert, entweder telefonisch unter 07542 3525 oder per E-Mail r.m.seibert@t-online,de

 

Das Foto zeigt die neu für den ambulanten Hospizdienst ausgebildeten Sterbebegleiterinnen mit dem Koordinator des Dienstes Konrad Fluhr (rechts). Von links sind dies Caterina Meßmer, Bianka Mosch, Bettina Klemm, Elisabeth Legner, Alexandra Laur, Eva Hobe und Sabine Bentele.

Foto Günther Peternek

 

Bild zur Meldung: Foto Günther Peternek